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Wie wird die Genauigkeit von Messgeräten interpretiert?
Die angegebene Genauigkeit bezieht sich auf die Genauigkeit, die der Hersteller für seine Messgeräte nennt, während die akkreditierte Genauigkeit ein objektives Maß der tatsächlichen Genauigkeit des Produktes ist. Kurz gesagt ist die angegebene Genauigkeit eine Behauptung, während die akkreditierte Genauigkeit eine verifizierte Tatsache ist. Für Anwender ist es beim Treffen von Kaufentscheidungen wichtig, diesen Unterschied zu kennen, insbesondere bei Messgeräten, die für Anwendungen eingesetzt werden, die eine hohe Genauigkeit erfordern, wie etwa Qualitätskontrolle (QK) und Qualitätssicherung (QS).
Genauigkeit: Mehr als nur eine Spezifikation
Die Genauigkeit ist mehr als nur eine Zahl auf einem Datenblatt. Die Genauigkeitsspezifikation ist nicht nur ein Maß für die Seriosität und das Engagement des Herstellers hinsichtlich der Qualität, sondern zeigt auch das Niveau des technischen Know-hows, Fachwissens und der Kompetenz, die dieser hinsichtlich der Entwicklung und Herstellung hochwertiger und zuverlässiger Messgeräte besitzt.
Wenn all die zur Verfügung gestellten Daten für Sie verwirrend sind, erhalten Sie hier eine Erklärung dazu, wie Sie die Genauigkeit eines Messgeräts interpretieren können. Denn hinter diesen Daten stehen Qualitätsstandards, Best Practices und zahllose Tests und Prüfungen, welche die Exaktheit, Transparenz und den Fokus des Herstellers widerspiegeln.
Akkreditierte Genauigkeit bezieht sich auf Qualitätsstandards
Hersteller von Messgeräten müssen bestimmte Tests und Prüfungen befolgen, die durch den Zertifizierungsstandard festgelegt werden, den sie für ihre Produkte anwenden. Die Entscheidung darüber, ob ein Standard verwendet wird oder nicht oder ob es sich hierbei um einen nationalen oder internationalen Standard handeln soll, ist ein Maß für das Engagement und die Seriosität des Herstellers, wenn es darum geht, die Qualität und Wiederholgenauigkeit seiner Produkte sicherzustellen.
ISO 17025, ein Zeichen für Exzellenz
Die ISO 17025 ist eine internationale Norm, welche die technischen und verwaltungstechnischen Anforderungen an Prüf- und Kalibrierlabore festlegt und so einen anerkannten Rahmen zur Gewährleistung der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Interoperabilität von Test- und Kalibrierergebnissen bietet. Kurz gesagt bedeutet das, dass wenn ein Messgerätehersteller ein Kalibrierverfahren gemäß der ISO-17025-Zertifizierung einsetzt, sein Kalibrierlabor die durch diese Zertifizierung vorgeschriebenen hohen Standards hinsichtlich technischer Kompetenz, Qualitätsmanagement und der Fähigkeit zum Erhalt genauer und zuverlässiger Kalibrierergebnisse einhält.
Hersteller, die eine ISO-17025-Zertifizierung erhalten haben, dürfen das Kalibrierzertifikat ihrer Produkte mit einem Zertifizierungszeichen oder -logo versehen. Dieses Zertifikat fungiert als Nachweis der Kalibrierung und enthält Details wie das Kalibrierdatum, die Bedingungen, unter denen die Kalibrierung durchgeführt wurde, die Messunsicherheit und die Rückverfolgbarkeit der Messungen.
VDI/VDE 2634 Blatt 3, Gewährleistungen für die Anwender von optischen 3D-Scannern
Die VDI/VDE 2634 Blatt 3 ist eine deutsche Norm, welche Leitlinien für die Annahmeprüfung und Bestätigungsprüfung von optischen 3D-Messsystemen enthält. Wenn ein 3D-Scanner gemäß der VDI/VDE 2634 Blatt 3 zertifiziert ist, bedeutet dies, dass das Gerät getestet wurde und die in diesem Standard hinsichtlich der Genauigkeit, Wiederholgenauigkeit und Zuverlässigkeit bei 3D-Messungen beschriebenen Anforderungen erfüllt.
Anders ausgedrückt legt die deutsche Norm fest, dass das 3D-Messsystem auf die genaue Messung der Maße und Formen von Teilen, den Erhalt derselben Messergebnisse unter denselben Bedingungen und den zuverlässigen Betrieb im zeitlichen Verlauf und unter verschiedenen Bedingungen getestet wurde.
ISO 10360, mehr Tests für mehr Gewissheit
Die ISO 10360 umfasst eine Reihe von Normen, welche die Leistungsanforderungen für verschiedene Arten von Koordinatenmesssystemen sowie die Verfahren für deren Annahmeprüfung und Bestätigungsprüfung beschreiben. Wenn ein optisches 3D-Messgerät gemäß ISO 10360 zertifiziert ist, bedeutet das, dass das Gerät getestet wurde und die in dieser internationalen Norm beschriebenen Anforderungen erfüllt. Zu diesen Anforderungen gehören der Form- und Größenfehler beim Abtasten, uni- und bidirektionale Längenabweichungen (volumetrische Genauigkeit), der Flachformmessfehler (Ebenheit) usw. Die Prüfung der volumetrischen Genauigkeit umfasst üblicherweise mehrere Messungen kalibrierter Artefakte unterschiedlicher Länge in verschiedenen Ausrichtungen innerhalb des Arbeitsvolumens.
Leistungsstabilität erfordert regelmäßige Tests und Überprüfungen
Regelmäßige Tests und Überprüfungen sind notwendig, um die optimale Funktion und Leistungsstabilität von optischen 3D-Messsystemen zu gewährleisten. Die Verantwortung zur Durchführung dieser Tests und Überprüfungen liegt sowohl beim Hersteller als auch beim Verwender des 3D-Messgeräts.
Hierzu müssen die Hersteller den Nutzern Verfahren für die Annahmeprüfung und Bestätigungsprüfung optischer 3D-Messsysteme an die Hand geben, ungeachtet ihres Designs, ihres Automatisierungsgrads oder ihrer Komplexität. Diese Tests sollten schnell und einfach mithilfe kostengünstiger Artefakte durchführbar sein. Zu den für diese Tests geeigneten Artefakten gehören Längennormale und andere Objekte, die der Nutzer mit dem System genau wie normale Teile messen kann.
Wie eine Spezifikation interpretiert werden sollte
Die korrekte Auslegung und das Verständnis einer Genauigkeitsspezifikation auf einem Datenblatt sind wesentlich für Anwender, die verschiedene Anbieter beurteilen und ihre Lösungen vergleichen möchten, und führen zu besseren Kaufentscheidungen und einer höheren Produktzufriedenheit.
Vorsicht bei Spezifikationen mit vorangestelltem „bis zu“
Ein weiterer Faktor, der den Unterschied zwischen angegebener und akkreditierter Genauigkeit ausmacht, zeigt sich beim Vergleich der Spezifikationen verschiedener Anbieter. Zertifizierte Hersteller verwenden den Begriff „Fehlergrenze“ (Maximum Permissible Error – MPE). Diese Angabe unterscheidet sich wesentlich von einer Spezifikation von „bis zu“ einem bestimmten Wert.
Die Fehlergrenze ist eine spezifischere und rigorosere Art und Weise, um den zulässigen Fehler bei einer Messung auszudrücken, da sie eine strenge Obergrenze für den für das Gerät unter bestimmten Bedingungen zulässigen Fehler festlegt. Wenn eine Spezifikation eine Fehlergrenze angibt, weist dies darauf hin, dass der Hersteller einen klaren Grenzwert für den maximal zulässigen Fehler festgelegt hat, sodass die Nutzer sich auf die Genauigkeit und Zuverlässigkeit des Geräts verlassen können.
Dagegen können Spezifikationen von „bis zu“ einem bestimmten Wert weniger präzise sein, da hierbei der Fehler irgendwo zwischen null und dem angegebenen Wert liegen kann. Darüber hinaus garantieren sie nicht, dass der Fehler diesen Wert nicht überschreitet. Bei dieser Art von Spezifikation besteht einige Unsicherheit hinsichtlich der Leistung des Geräts im ungünstigsten Fall.
Fehlergrenzenspezifikationen werden als vertrauenswürdiger und zuverlässiger angesehen, da sie eine präzisere und strengere Definition der Leistungsgrenzen des Geräts bieten. Die Fehlergrenze stellt sicher, dass alle Messergebnisse innerhalb der Spezifikationen liegen.
Eine Vielzahl von Standards, Tests und Details: Garantie von Qualität und Transparenz
Wenn ein Hersteller sein Messgerät im Einklang mit den verschiedenen Qualitätsstandards wie ISO 17025, VDI/VDE 2634 und ISO 10360 zertifiziert und jährlich rigorosere Tests in sein Kalibrierverfahren aufnimmt, ist das ein Nachweis seines Engagements dafür, hochwertige Produkte herzustellen. Wenn das Kalibrierzertifikat darüber hinaus einen beeindruckenden Umfang und Detailgrad aufweist, weist dies darauf hin, dass der Hersteller transparent arbeitet und seinen Kunden zuverlässigere, genauere und stabilere Geräte anbieten will.
Akkreditierte Genauigkeit, ein Synonym für High-End-Hersteller
Für den Erhalt einer ISO-Zertifizierung muss ein Hersteller seinen Willen zur Aufrechterhaltung höchster Qualitätsstandards bei seinen Prozessen, Produkten und Dienstleistungen nachweisen. Diese Zertifizierung spiegelt ein Engagement für Qualität, fortlaufende Verbesserung, Kundenzufriedenheit und operative Exzellenz wider, allesamt wesentliche Merkmale von High-End-Herstellern.
Wenn eine ISO-Zertifizierung mit einer starken Markenreputation kombiniert wird, die auf der Lieferung hochwertiger und zuverlässiger Produkte über lange Zeiträume hinweg basiert, können die Anwender sich sicher sein, dass die Genauigkeit ihrer 3D-Messgeräte sichergestellt ist, da dies einen Nachweis für die Seriosität und Exaktheit des Herstellers darstellt.
Laden Sie unsere Infografik herunter, um diese Konzepte im Hinterkopf zu behalten.
Published 03/28/2025



