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Die Skulpturen Von Schloss Vaux-Le-Vicomte – Ein Kulturerbe In 3d

Schloss Vaux-Le-Vicomte

Schloss Vaux-Le-Vicomte

Das im 17. Jh. erbaute Schloss Vaux-Le-Vicomte ist das Werk dreier der besten Künstler ihrer Zeit: des Garten- und Landschaftsarchitekten André Le Nôtre, des Architekten Louis Le Vau und des Dekorationsmalers Charles Le Brun. Der Genialität dieser drei Künstler verdanken wir ein architektonisch-landschaftliches Gesamtkunstwerk, das in seiner perfekten Harmonie alles andere des 17. Jahrhunderts übertrifft. Darüber hinaus beeindruckt dieses herausragende historische Zeugnis der französischen klassischen Architektur durch den monumentalen Charakter, den nicht allein das Schloss selbst, sondern auch seine Nebengebäude ausstrahlen. Seine weitläufigen, mit zahlreichen Skulpturen verzierten Gartenanlagen spiegeln sich in den großflächigen Wasserbecken. Dieses bis dahin unvergleichliche Gesamtwerk wurde nicht nur zum Vorbild für ganz Europa – es war auch Inspiration für das Schloss von Versailles, das Ludwig XIV., Ludwig XV. und Ludwig XVI. als königliche Residenz dienen sollte. Dieses gemeinsame Vermächtnis der drei Ausnahmekünstler zählt inzwischen zweifellos zum Kulturerbe Frankreichs. Dennoch hätten sich seine Schöpfer wohl nie träumen lassen, dass ihre Werke – einige Jahrhunderte später – in 3D nachgebildet würden!

Obwohl die Ausdruckskraft und emotionale Stärke der Statuen von Vaux-de-Vicomte den Betrachter bis heute berührt, sind die 110 bis 360 Jahre seit ihrer Erschaffung nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Die Witterungseinflüsse, denen diese Kunstwerke permanent ausgesetzt sind, haben sie gezeichnet: Flechten, Moose, Erosion und Risse im Material bedrohen die Unversehrtheit der 61 bildhauerischen Arbeiten der Anlage. Der allmähliche Verfall ihrer Struktur hat den Chef-Architekten der Historischen Denkmäler (ACMH), die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten (DRAC) und die Familie De Vogüé (Eigentümer und Verwalter dieses in Privatbesitz befindlichen Domizils) veranlasst, eine von Privatiers und Wirtschaft finanzierte Restaurationskampagne für dieses Kulturerbe zu planen.

3D-Digitalisierungsarbeiten am Werk „Tiger“, erschaffen von Georges Gardet (19. Jh.)

3D-Digitalisierungsarbeiten am Werk „Tiger“, erschaffen von Georges Gardet (19. Jh.)

Gesponserte Kampagne zur Bewahrung des Anwesens

Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt zur Restauration der Statuen von Vaux-Le-Vicomte bereits vor rund 10 Jahren, aus Anlass der dringend notwendigen Restaurierung dreier stark angegriffener Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert, erschaffen von Michel Anguier, dem Lieblingsbildhauer von Nicolas Fouquet, seines Zeichens Erbauer des Schlosses. Da mit Blick auf dieses Vorhaben ein erheblicher Kostenaufwand zu erwarten war, entschied man sich, für diese drei Skulpturen eine erste Sponsoring-Kampagne zu starten. Alexandre de Vogüé, Eigentümer und Verwalter dieses in Frankreich einzigartigen Kulturdenkmals, betont: „Der Erfolg dieser Initiative, die Begeisterung der Sponsoren, die Freude darauf, diese Werke von seltener Schönheit wieder in ihrer ursprünglichen Pracht erstrahlen zu lassen, hat uns bewogen, diesen Weg noch einmal zu gehen – zum Schutz und Erhalt aller 61 Werke, die das Anwesen umfasst.“ Dieser unmittelbare Erfolg also war es, der eine zweite Restaurationswelle ausgelöst hat – angelegt auf zwei Jahre, beginnend ab 2015.

4 Entwicklungsbereiche

Neben der Mitverwaltung des Anwesens engagieren sich heute Privatleute und Wirtschaft, um die Erhaltung dieses Meisterwerks in seiner Gesamtheit zu ermöglichen. Das Entwicklungsprogramm – veranschlagt mit 13 Millionen Euro auf die nächsten zehn Jahre – umfasst vier grundlegende Bereiche:

  • Erhalt der Gartenanlagen (Anpflanzung von Bäumen, um die Grünachsen wieder deutlicher sichtbar zu machen)
  • Restaurierung des Schlosses (Wiederherstellung der Transparenz der drei Arkaden nördlich und südlich des Schlosses, um dem Besucher bereits am Eingangstor zu ermöglichen, trotz der Breite des Gebäudekomplexes die Ausmasse des Gartens wahrzunehmen)
  • Restaurierung oder Erfassung der Kunstwerke (Restaurierung der 24 Statuen im Garten)

Entwicklung und Erweiterung der Zugangs- und Lehr-/Lernmöglichkeiten (Verbesserung des Zugangs für Personen mit eingeschränkter Mobilität)

3D-Digitalisierungsarbeiten an der „Clemence“, einem Werk von Michel Anguier (17. Jh.)

3D-Digitalisierungsarbeiten an der „Clemence“, einem Werk von Michel Anguier (17. Jh.)

Erhalt in 3D

Obwohl es bei den Restaurationsarbeiten in erster Linie um die Reinigung der Kunstwerke geht, wurde eindringlich vorgeschlagen, eine Methode zu finden, die esohne jegliches Risiko weiterer Beschädigungen ermögliche, alle 61 Skulpturen von Vaux-Le-Vicomte für die Nachwelt zu erhalten. Dank 3D-Digitalisierung war Gexpertise, Spezialist auf dem Gebiet der technischen Gebäudeprüfung und Experte für maßstabsgetreue 3D-Modelle,mit seinem Geschäftsbereich „Modellerstellung“ in der Lage, für den digitalen Erhalt dieser Werke tätig zu werden und mittels eines tragbaren 3D-Handscanners ein Archiv dieses Kulturerbes zu erstellen. „Neben der Reinigung der 61 restaurationsbedürftigen Gartenstatuen befürwortete der Leitende Architekt der Historischen Denkmäler in seiner Ausschreibung zur Auftragsvergabe, im Rahmen dieses großen Unterfangens parallel auch eine Archivierung dieses Kulturerbes vorzunehmen“, so Benoit Desriaux, der Projektverantwortliche bei Gexpertise. Tatsächlich verlangt das allmähliche oder auch durch Beschädigung bedingte Verschwinden graziler Feinheiten dieser Werke nach einer Form der Archivierung, die sie so umfassend und detailgetreu wie nur möglich wiedergibt, um jederzeit eine Nachbildung zu gestatten. Die zeitgemäße und wirtschaftliche Technik der 3D-Digitalisierung macht die aufwändige Anfertigung von Gipsmodellen überflüssig, umgeht das Problem der physischen Lagerung und erlaubt die Realisierung von Nebenprodukten zur Kommunikation. 

Eine Bewahrung in Form von 3D-Digitalisierung ermöglicht:

  • Die Erstellung einer 3D-Datenbank
  • Die Vermessung und Analyse der Werke
  • Die Quantifizierung der Restaurationsarbeiten
  • Die Einrichtung eines Kulturerbe-Archivs
  • Die Anfertigung von 3D-Reproduktionen
  • Die Schaffung eines virtuellen Museums zum Zweck der Rekonstruktion im Fall schwerer Beschädigung oder Zerstörung
Die 3D-Erfassung der Statuen erfolgte per 3D-Handscanner – mithilfe einer kontaktlosen Technologie also, die das Werk in seiner Gesamtheit respektiert und eine Punktewolke in Echtzeit erstellt.

Die 3D-Erfassung der Statuen erfolgte per 3D-Handscanner – mithilfe einer kontaktlosen Technologie also, die das Werk in seiner Gesamtheit respektiert und eine Punktewolke in Echtzeit erstellt.

Kontaktlose Technologie – ein einfaches Verfahren

Nachdem das Team um Serge Giordani, Konservator/Restaurator von Kunstobjekten, die Werke aus Stein und Marmor gereinigt, saniert und gesichert hatte, haben Benoit Desriaux, Projektverantwortlicher, und Florian Lhuillier, Vermessungsingenieur, die Baustelle von März bis Mai 2016 in ganz besonderer Mission in Beschlag genommen: Aufgabe war die 3D-Digitalisierung jener 30 Werke, die Gegenstand des ersten Projektabschnitts sein sollten. Anschließend, nach neuerlicher finanzieller Unterstützung durch die Sponsoren, wurden im zweiten Schritt – von Juli 2016 bis Januar 2017 – auch noch die verbliebenen 31 Skulpturen in 3D erfasst. „Mit dem Handscanners Go!SCAN 3DMC– d. h. mithilfe einer kontaktlosen Technologie, die das Werk in seiner Gesamtheit respektiert und in Echtzeit eine Gitterstruktur der einzelnen Messpunkte, eine sogenannte Punktewolke, erstellt – waren wir in der Lage, jede einzelne Statue präzise zu erfassen und die Rohdaten des Scanners im Nachgang weiterzubearbeiten“, erklärt Florian Lhuillier. Die Nachbearbeitung der generierten Datei erfolgt mittels spezieller Retusche-Software, die das erzeugte Rohmodell virtuell glättet. „Die Eignung für den 3D-Druck setzt eine ‚saubere‘ und ‚oberflächendichte‘ Punktewolke der Statue voraus“, ergänzt Lhuillier. Zurück im Büro, waren daher also die Bereinigung der Flächenvernetzung, die Verschließung der entstandenen Kanten, die Glättung und die Texturierung die nächsten Schritte vor dem Export der fertigen Datei. „Ein Tag Datenerfassung am Objekt erfordert im Schnitt auch einen Tag Nachbearbeitung, wobei dies unter anderem von der Größe des Objekts und seines Detailreichtums abhängt“, erläutert Desriaux, dessen Rolle sich nicht zuletzt auf die Beratung der Geldgeber in Sachen 3D-Druck erstreckt. „Wir erstellen nicht einfach ein digitales Archiv – wir begleiten den gesamten Prozess und helfen unseren Kunden zu erkennen, welche Anwendungsmöglichkeiten eine Datei für den 3D-Druck in unterschiedlichen Maßstäben bietet: so etwa ein Reverse Engineering eines jeden beliebigen Teils der Skulptur“, verdeutlicht Desriaux.

Der Go!SCAN 3D in der Hand von Gexpertise

Dieser Handscanner registriert 3D-Daten in Farbe, um Geometrie und Textur in all ihrer Fülle darstellen und somit ein höchst realistisches Bild wiedergeben zu können. Er ermöglicht den Vermessungstechnikern von Gexpertise, auch sehr große Objekte mit einer Genauigkeit von bis zu 0,100 mm im Modell abzubilden. Der Scanner erzeugt automatisch eine Gitterstruktur und stellt somit unmittelbar nach der Abtastung sichtbare Ergebnisse zur Verfügung, die dem Anwender die Gewissheit verschaffen, dass das betreffende Objekt vollständig erfasst wurde. Auf diese Weise lässt sich eine wiederholte Rückkehr an den Standort des Objekts vermeiden. Er erfüllt höchste Anforderungen in Sachen Präzision und Auflösung, wie sie bei ähnlich detailreichen Anwendungen wie in Vaux-Le-Vicomte gestellt werden.

ARTIKEL VERFASST VON Creaform

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